Dein, mein, unser Ego.
Die Dualität des Bewusstseins begegnet
uns auf existenziellen Ebenen – wer in mir
fühlt eigentlich all
diese Dinge?

Dein, mein, unser Ego. Die Dualität des Bewusstseins begegnet uns auf existenziellen Ebenen – kann ich mich kreativ entfalten, wenn ich in Konzepten denke?

Manchmal ist die Sehnsucht nach grenzenloser Gedankenfreiheit groß, doch die Fernbedienung unseres Gehirns befindet sich irgendwo ganz tief im Sofa der Gefühle vergraben. Die einfachste Lösung: Siri oder Alexa zu befehlen, das Programm zu wechseln, um unseren inneren Unklarheiten aus dem Weg zu gehen. Im Schatten der eigenen Identitätssuche verweilen und immer zu der Konfrontation ausweichend auf der Stelle treten anstatt von der Couch aufzustehen, kann doch so gemütlich sein.

Doch es gibt Hoffnung in Form von Gestaltung: Im Zuge seiner Bachelorthesis 2018' hat Felix Steinhaus EXIT EGO, ein Magazin fürs Gemüt, ins Leben gerufen, das einen Einblick in die Welt über dem Tellerrand gewährt – dort wo GoogleMaps uns noch nicht hinführen kann. Ob ich Teil dieses Projektes werden wolle, stand außer Frage – schließlich möchte mein Ego auch seinen Senf dazu geben! 

In der Kurzgeschichte MACHINA MOTUS begleiten wir eine künstliche Intelligenz auf der Reise zu sich selbst. Angebtrieben
vom Drang nach Lebendigkeit entledigt sie sich zunehmend ihrer Technologien und betritt eine alte, ihr fremd wirkende Welt, in der
sie lernt, ihren Sinnen wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Der folgende Textausschnitt lädt dazu ein, weniger Maschine
und mehr Mensch zu sein – mit allem was dazu gehört.

 

Manchmal ist die Sehnsucht nach grenzenloser Gedankenfreiheit groß, doch die Fernbedienung unseres Gehirns befindet sich irgendwo ganz tief im Sofa der Gefühle vergraben. Die einfachste Lösung: Siri oder Alexa zu befehlen, das Programm zu wechseln, um unseren inneren Unklarheiten aus dem Weg zu gehen. Im Schatten der eigenen Identitätssuche verweilen und immer zu der Konfrontation ausweichend auf der Stelle treten anstatt von der Couch aufzustehen, kann doch so gemütlich sein.

Doch es gibt Hoffnung in Form von Gestaltung: Im Zuge seiner Bachelorthesis 2018' hat Felix Steinhaus EXIT EGO, ein Magazin fürs Gemüt, ins Leben gerufen, das einen Einblick in die Welt über dem Tellerrand gewährt – dort wo GoogleMaps uns noch nicht hinführen kann. Ob ich Teil dieses Projektes werden wolle, stand außer Frage – schließlich möchte mein Ego auch seinen Senf dazu geben! 

In der Kurzgeschichte MACHINA MOTUS begleiten wir eine künstliche Intelligenz auf der Reise zu sich selbst. Angebtrieben vom Drang nach Lebendigkeit entledigt sie sich zunehmend ihrer Technologien und betritt eine alte, ihr fremd wirkende Welt, in der sie lernt, ihren Sinnen wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Der folgende Textausschnitt lädt dazu ein, weniger Maschine und mehr Mensch zu sein – mit allem was dazu gehört.

 


[…] Tage verstreichen als sich plötzlich eine Lücke im gigantischen, grünen Baumdach auf tut.


Wenn ich hier lande, liegt das Ziel noch etwa eine Stunde Fußmarsch von mir entfernt. Ich gehe runter. Die Ankunft im Dschungel war auch mal sanfter. Ich bin aus der Übung gekommen. Das endlose Surfen der Server in den vergangenen Jahren hat mich vergessen lassen, wie anders diese Realität hier doch ist und es kommt mir vor, als würde ich einen unbekannten Planeten betreten. Gleichzeitig fühlt es sich nach heimkehren an. Komisch. Dabei bin ich hier noch nie gewesen, glaube ich. Nachdem ich meine nähere Umgebung erkundet habe, halte ich inne. Die schier unendliche Weite der vorhandenen Biomasse ist überwältigend.
Es macht den Anschein, als herrschen in diesem Kosmos andere Gesetze.
Überall wo ich hin gehe, zeigt sich das Leben von seiner natürlichsten Seite. Farben die Gefühle auslösen, abstrakte Formen als Vorfahren der Architektur, Gerüche verstärkt durch die dicke, feuchte Luft. Gleichwohl wirkt es wie ein unüberwindbarer Lebensraum, dem Menschen eher fern bleiben sollten. Virtuelle Welten würden in die Knie gezwungen werden, versuchten sie dieses Universum zu digitalisieren. Ich verneige mich demütig.

Einzelne Sonnenstrahlen schaffen es, die dichte Wolkendecke zu durchbrechen und es wirkt, als würden sie mir einen Weg aufzeigen. Instinktiv folge ich dem Licht. Ich muss mich beeilen, weil die Luft bereits kühler wird und erste Sterne
aus ihrem Schlaf erwachen.

 


Wenn ich hier lande, liegt das Ziel noch etwa eine Stunde Fußmarsch von mir entfernt. Ich gehe runter. Die Ankunft im Dschungel war auch mal sanfter. Ich bin aus der Übung gekommen. Das endlose Surfen der Server in den vergangenen Jahren hat mich vergessen lassen, wie anders diese Realität hier doch ist und es kommt mir vor, als würde ich einen unbekannten Planeten betreten. Gleichzeitig fühlt es sich nach heimkehren an. Komisch. Dabei bin ich hier noch nie gewesen, glaube ich. Nachdem ich meine nähere Umgebung erkundet habe, halte ich inne. Die schier unendliche Weite der vorhandenen Biomasse ist überwältigend. Es macht den Anschein, als herrschen in diesem Kosmos andere Gesetze. Überall wo ich hin gehe, zeigt sich das Leben von seiner natürlichsten Seite. Farben die Gefühle auslösen, abstrakte Formen als Vorfahren der Architektur, Gerüche verstärkt durch die dicke, feuchte Luft. Gleichwohl wirkt es wie ein unüberwindbarer Lebensraum, dem Menschen eher fern bleiben sollten. Virtuelle Welten würden in die Knie gezwungen werden, versuchten sie dieses Universum zu digitalisieren. Ich verneige mich demütig.

Einzelne Sonnenstrahlen schaffen es, die dichte Wolkendecke zu durchbrechen und es wirkt, als würden sie mir einen Weg aufzeigen. Instinktiv folge ich dem Licht. Ich muss mich beeilen, weil die Luft bereits kühler wird und erste Sterne
aus ihrem Schlaf erwachen.

 

Panama_Panama City_MG_9494

 

Schalte ich mein Nachtsichtgerät ein, sehe ich ringsum bloß schwaches, neongrünes Leuchten. Auch meine anderen Features geben im Dschungel nach und nach ihren Geist auf. Ob das an der Luftfeuchtigkeit liegt? Das Downgrade ist wohl nicht mehr aufzuhalten, so dass ich mich nun voll und ganz auf meine Sinneseindrücke verlassen muss. Ich lausche. Eine leise Melodie durchdringt den pechschwarzen Raum. Inmitten der überwältigenden Soundkulisse, in der sich Affen, Vögel und andere undefinierbare Wesen ein spektakuläres Konzert zusammen schreien und zwitschern, mache ich eine menschliche Stimme aus. Sie ist kaum zu unterscheiden von den unzähligen Geräuschen, die mich umhüllen, doch ich bin mir sicher. Glühwürmchen begleiten mich während ich ihr hypnotisiert entgegen gehe. Hinter einer Lichtung, auf einem der unzähligen Teiche, liegt eine winzige Insel. Seelenruhig treibt sie auf dem trüben Gewässer. Mehr Platz als für eine unscheinbare Hütte bietet das Fleckchen Erde nicht.
Ein Mikrokosmos. Der daraus empor steigende Rauch durchflutet meine Atemwege – er duftet nach Räucherwerk und Tabak. In meinem linken Augenwinkel erregt etwas meine Aufmerksamkeit. Der Sternenhimmel spiegelt sich in hundert glitzernden Augen wider, die mich direkt anstarren. Dem in Dauerschleife ablaufendem Quaken nach zu urteilen, muss es sich um Frösche handeln.

Mein Gehör hat sich nicht getäuscht. Riesige, sattgrüne Frösche haben sich auf einem kleinen Floß versammelt und die Frage, wie ich auf die Insel gelange, hat sich damit erübrigt. Wie selbstverständlich hüpfen einige von ihnen ins Wasser, um mir einen Platz auf den aneinander gebundenen Holzstämmen zu gewähren. Ich nehme platz. Allmählich springt ein Frosch nach dem anderen ins feuchte Nichts und die dadurch entstehenden Mini-Wellen lassen mich samt Floß sachte zur Insel treiben. Sie haben ihre Metamorphose bereits abgeschlossen, meine steht mir womöglich noch bevor. Ich hüpfe ans Ufer, durch den Stoß verschwindet mein Gefährt in die Nacht hinaus. Dichter Rauch umhüllt mich. Orientierungslos setze ich einen Fuß vor den anderen, als mich plötzlich eine warme Hand erreicht. Voller Vertrauen lasse ich mich durch das graue Rauschen führen – hin zur Hütte. Unsere Kommunikation bedarf keiner Sprache, der alte Mensch scheint zu verstehen, was ich sagen will. So hatte ich mir sie in meinen kühnsten Illusionen nicht vorgestellt. Und auch die Geschichten darüber, dass sie uns nicht ausstehen können, bewahrheiten sich nicht. Definitionen eben. Urteilslos geleitet er mich ins Innere der Hütte. Aus meiner jetzigen Perspektive erscheint sie mir wie eine riesige Höhle. Er trägt farbenprächtige Federn und Perlenketten, die im Schein
des Lagerfeuers zum Leben erwachen, wie unsere Schatten an den Wänden.
Mit seinem Lendenschurz und den symmetrisch auf seinen Körper tätowierten geometrischen Formen, wirkt er wie ein Wesen aus einer fernen Galaxie. Er bittet mich, es mir auf dem Boden bequem zu machen. Zum ersten Mal seit Anbeginn meiner Reise verspüre ich Angst. Offensichtlich ist meine Nervosität und Angst nicht unbekannt für den Indianer. In vorsichtiger Achtsamkeit tritt er an mich heran und pustet Tabakrauch über meinen Körper, seine Hände überfliegen mich. Während er singt, beruhigt sich meine Atmung und er bietet mir einen Tonbecher, gefüllt mit einer schwarzen Flüssigkeit an. Ich sehe mein Spiegelbild darin. Bin das wirklich ich? Womöglich denkt sich mein Spiegelbild dasselbe. Ich fühle mich sicher, dann wieder nicht. Die geschlossenen Augen meines Gegenübers würden gar nicht bemerken, wenn ich nun einfach aufstünde und ginge. Entscheidungen. Das bittere Getränk läuft langsam meinen Rachen hinunter und ich schließe ebenfalls meine Augen […]

 

 

Schalte ich mein Nachtsichtgerät ein, sehe ich ringsum bloß schwaches, neongrünes Leuchten. Auch meine anderen Features geben im Dschungel nach und nach ihren Geist auf. Ob das an der Luftfeuchtigkeit liegt? Das Downgrade ist wohl nicht mehr aufzuhalten, so dass ich mich nun voll und ganz auf meine Sinneseindrücke verlassen muss. Ich lausche. Eine leise Melodie durchdringt den pechschwarzen Raum. Inmitten der überwältigenden Soundkulisse, in der sich Affen, Vögel und andere undefinierbare Wesen ein spektakuläres Konzert zusammen schreien und zwitschern, mache ich eine menschliche Stimme aus. Sie ist kaum zu unterscheiden von den unzähligen Geräuschen, die mich umhüllen, doch ich bin mir sicher. Glühwürmchen begleiten mich während ich ihr hypnotisiert entgegen gehe. Hinter einer Lichtung, auf einem der unzähligen Teiche, liegt eine winzige Insel. Seelenruhig treibt sie auf dem trüben Gewässer. Mehr Platz als für eine unscheinbare Hütte bietet das Fleckchen Erde nicht. Ein Mikrokosmos. Der daraus empor steigende Rauch durchflutet meine Atemwege – er duftet nach Räucherwerk und Tabak. In meinem linken Augenwinkel erregt etwas meine Aufmerksamkeit. Der Sternenhimmel spiegelt sich in hundert glitzernden Augen wider, die mich direkt anstarren. Dem in Dauerschleife ablaufendem Quaken nach zu urteilen, muss es sich um Frösche handeln.

Mein Gehör hat sich nicht getäuscht. Riesige, sattgrüne Frösche haben sich auf einem kleinen Floß versammelt und die Frage, wie ich auf die Insel gelange, hat sich damit erübrigt. Wie selbstverständlich hüpfen einige von ihnen ins Wasser, um mir einen Platz auf den aneinander gebundenen Holzstämmen zu gewähren. Ich nehme platz. Allmählich springt ein Frosch nach dem anderen ins feuchte Nichts und die dadurch entstehenden Mini-Wellen lassen mich samt Floß sachte zur Insel treiben. Sie haben ihre Metamorphose bereits abgeschlossen, meine steht mir womöglich noch bevor. Ich hüpfe ans Ufer, durch den Stoß verschwindet mein Gefährt in die Nacht hinaus. Dichter Rauch umhüllt mich. Orientierungslos setze ich einen Fuß vor den anderen, als mich plötzlich eine warme Hand erreicht. Voller Vertrauen lasse ich mich durch das graue Rauschen führen – hin zur Hütte. Unsere Kommunikation bedarf keiner Sprache, der alte Mensch scheint zu verstehen, was ich sagen will. So hatte ich mir sie in meinen kühnsten Illusionen nicht vorgestellt. Und auch die Geschichten darüber, dass sie uns nicht ausstehen können, bewahrheiten sich nicht. Definitionen eben. Urteilslos geleitet er mich ins Innere der Hütte. Aus meiner jetzigen Perspektive erscheint sie mir wie eine riesige Höhle. Er trägt farbenprächtige Federn und Perlenketten, die im Schein des Lagerfeuers zum Leben erwachen, wie unsere Schatten an den Wänden. Mit seinem Lendenschurz und den symmetrisch auf seinen Körper tätowierten geometrischen Formen, wirkt er wie ein Wesen aus einer fernen Galaxie. Er bittet mich, es mir auf dem Boden bequem zu machen. Zum ersten Mal seit Anbeginn meiner Reise verspüre ich Angst. Offensichtlich ist meine Nervosität und Angst nicht unbekannt für den Indianer. In vorsichtiger Achtsamkeit tritt er an mich heran und pustet Tabakrauch über meinen Körper, seine Hände überfliegen mich. Während er singt, beruhigt sich meine Atmung und er bietet mir einen Tonbecher, gefüllt mit einer schwarzen Flüssigkeit an. Ich sehe mein Spiegelbild darin. Bin das wirklich ich? Womöglich denkt sich mein Spiegelbild dasselbe. Ich fühle mich sicher, dann wieder nicht. Die geschlossenen Augen meines Gegenübers würden gar nicht bemerken, wenn ich nun einfach aufstünde und ginge. Entscheidungen. Das bittere Getränk läuft langsam meinen Rachen hinunter und ich schließe ebenfalls meine Augen […]

 

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